Kathrin Pause, Matthias Leopold und Dr. Thomas Kahlisch: "DaCapo II" - DZB produziert nachhaltig Braillenoten

Seit dem Jahr 2000 werden in der Deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB) nach einer Pause von fast 15 Jahren wieder Noten in Blindenschrift hergestellt. Zunächst arbeitete sich eine Mitarbeiterin in diesen speziellen Aufgabenbereich ein. Parallel versuchte die DZB mit Unterstützung des Deutschen Blinden- und Sehbehinderten-Verbandes (DBSV) und des Deutschen Vereins der blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf (DVBS) Projektmittel für ein umfangreicheres Engagement auf diesem Gebiet zu erhalten.

Mit der Finanzierung des Projektes "DaCapo - Projekt zum Wiederaufbau der Produktion von Braillenoten in Deutschland" durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales zahlten sich diese Bemühungen nach drei Jahren aus. "DaCapo" startete 2003 und wurde mit großem Erfolg bereits im Sommer 2006 abgeschlossen (vgl. Abschlussbericht im Internet: www.dzb.de/dacapo/).

Durch den Einsatz der Projektmittel konnte die DZB einen Notenübertrager, einen blinden Korrekturleser und einen Diplom-Informatiker einstellen, die sich gemeinsam mit den bereits vorhandenen Erfahrungsträgern der Umsetzung folgender Projektziele annahmen:

Bereits nach kurzer Projektlaufzeit wurde es möglich, Musikalien auf Bestellung zu übertragen und Standardwerke der Musikliteratur in Blindenschrift anzubieten. Diese Dienstleistungen wurden von professionellen Musikern und Laien freudig angenommen. Der Bestand der Notenbibliothek und das Verkaufsangebot konnten erweitert werden. Inzwischen verzeichnet die Notenausleihe der Bibliothek einen Zuwachs um 200 Prozent bei der Titelausleihe. Die Nutzer können heute bereits wieder auf einen Bestand von mehr als 5.500 Notenwerke zurückgreifen und erhalten bibliothekarische Unterstützung bei der Recherche nach Musikwerken, die sie für ihre Arbeit dringend brauchen.

Im Rahmen des Projektes wurde ein umfangreiches Programmpaket entwickelt, das gescannte Schwarzschriftnoten in Braillenoten umwandelt. Damit ist die Notenproduktion effektiver geworden, da bei diesem Verfahren fast völlig auf das personalintensive Einschreiben der Noten Zeichen für Zeichen verzichtet wird, das höchste Konzentration verlangt und Schreibfehler begünstigt.

Das entwickelte IT-Verfahren arbeitet in drei Schritten:

Zusätzlich wandelt das Programm auch in umgekehrter Richtung Blindenschriftnoten in Schwarzschrift um (vgl. www.dzb.de/BrailleVis). Damit haben blinde Musiker die Möglichkeit, ihre aufgezeichneten Noten Sehenden zugänglich zu machen. Sie schicken der DZB die Noten als Datei und erhalten die druckfertigen Schwarzschriftnoten zurück. Die Noten werden dabei mit Finale, einem im professionellen Notendruck weit verbreiteten Programm, gesetzt. Die Kombination aus Standardprodukten und eigenen Modulen zur spezifischen Übersetzung in die Brailleschrift erlaubt es, von der Verbesserung der Standardprodukte auf dem Musiknotensatzmarkt zu profitieren und die erarbeiteten Konzepte flexibel weiter zu entwickeln.

Vorstellung der Ergebnisse

Auf den Tagungen des Notennetzwerkes, in Blindenschulen und auf verschiedenen internationalen Konferenzen wurden die Ergebnisse des Projektes vorgestellt. Unter dem Namen "Bach - International Symposium for Braille Music Notes" führte die DZB im Herbst 2005 eine erste eigene Fachkonferenz durch, auf der Experten aus sieben Ländern sich über die Fortschritte des Zugangs zu Musiknoten für blinde Anwender austauschten.

Am 13. und 14. November 2008 findet in Leipzig die zweite internationale Fachtagung zum Thema statt. Informationen dazu werden in Kürze auf der Homepage der DZB verfügbar sein.

"Die positiven Reaktionen ermutigen uns, unseren Weg in gleicher Richtung fortzusetzen", sagen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des "DaCapo"-Teams. Um beim erreichten Stand nicht stehen zu bleiben und die Nachhaltigkeit des Übertragungsservices zu erhöhen, beantragte die DZB das Folgeprojekt "DaCapo II", das seit Sommer 2006 erneut durch das BMAS für drei Jahre gefördert wird.

Die folgenden Themen sind Schwerpunkte dieses Vorhabens:

Ein besonderer Schwerpunkt des Projektes liegt im Bereich der Unterstützung von Musik-Lehreinrichtungen und der Vermittlung von Notenkenntnissen. Professioneller Musiker zu sein, ist eine schöne, abwechslungsreiche und sehr soziale Berufung. Um blinden Kindern diese Möglichkeiten zu eröffnen, müssen Sie an die Welt der Noten herangeführt und beim Erlernen der Notenschrift unterstützt werden.

Die DZB trägt dem Rechnung durch:

Fazit

Die wachsende Nachfrage nach Braillenoten zeigt: Werden Angebote geschaffen und sind diese zeitgemäß umgesetzt und effektiv anzuwenden, lohnt sich der Aufwand, auch ein relativ kleines, aber wichtiges Segment der Informationsversorgung blinder Menschen zu bearbeiten und neue Wege zu gehen. Die Erfahrungen aus der Arbeit mit den Braillenoten machen Mut, nach neuen Lösungsansätzen auch auf dem Gebiet der Übertragung anderer komplexer Literaturinhalte wie Lehr- und Lernmaterialien, Sach- und Fachbücher und neuer multimedialer Informationsangebote zu suchen.

Informationen zu "DaCapo II"

Das in "DaCapo II" erarbeitete Heft "Braille-Musiknotation - Kurze Übersicht für Sehende" vermittelt einen ersten Eindruck der Blindennotenschrift und kann beim "DaCapo"-Team bestellt werden oder einfach als pdf-Datei (nicht barrierefrei) im Internet heruntergeladen werden. Bei Interesse bieten die Mitarbeiter des Teams auch Kurse für Lehrkräfte oder Schüler zum Erlernen der Braillenotenschrift an. Ein in Planung befindliches Sommercamp soll es blinden Kindern aus dem ganzen deutschsprachigen Raum ermöglichen, in der Gemeinschaft singend und musizierend die Grundlagen der Blindennotenschrift "spielerisch" zu lernen. Zudem wird ein noch umzusetzender Kurs in Heft- oder Videoform erklären, wie ein Lehrer selbständig Noten für den Unterricht über den "MakeBraille"-Server herstellen kann (www.dzb.de/MakeBraille).

Kontakt

Das "DaCapo"-Team ist unter Telefon: 0341 7113190 oder per E-Mail unter dacapo@dzb.de erreichbar. Mehr Informationen zur Deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig gibt es auf der barrierefrei gestalteten Homepage (www.dzb.de).

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