Noten für jedermann erfahrbar gestalten

 

Auf der Jahrestagung des Notennetzwerkes diskutierten im Frühjahr 2005 Experten der Musiktheorie und Notenübertragung mit professionellen und Laien‑Musikern über verschiedene technische Verfahren, Noten behinderten Menschen zugänglich zu machen.

Eingeladen war Professor Brusniak von der Universität Würzburg. Er nutzt ein neues, an der Fachhochschule Augsburg entwickeltes Druckverfahren, mit dem erhabene Darstellungen auf Papier gebracht werden, um Menschen, die an ADHS leiden, einen leichteren Zugang zu Noten zu vermitteln. In einer Forschungsarbeit soll geklärt werden, in welcher Art und Weise die Verbindung visueller und tastbarer Reize genutzt werden kann, für hyperaktive Kinder Notenschrift leichter erlernbar zu gestalten. Die Notenschrift von Professor Brusniak ist dabei keine Alternative zur Braille‑Notenschrift, die von blinden Musikern eingesetzt wird.

An der Deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB) werden – gefördert durch das Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung (BGMS) – völlig neue Softwareverfahren entwickelt, gedruckte Notenwerke schnell und komfortabel für blinde Musiker in die Braille‑Notenschrift zu übersetzen, Internet: www.dzb.de/dacapo. Matthias Leopold, Informatiker im Projekt, arbeitet an der Software, mit der die gedruckten Notenwerke der Sehenden komfortabel in die von blinden Menschen genutzte Brailleschrift übersetzt werden. Die versierten Notenübertrager und –korrektoren der DZB testen die Ergebnisse seiner Entwicklungen im Produktionsprozess der Blindenbücherei. Sie weisen auf Fehler hin und unterbreiten Verbesserungsvorschläge. So wächst, eng gebunden an den durch sehr individuelle Auftragsarbeiten geprägten Produktionsprozess, die Qualität der erarbeiteten Lösung.

Für professionelle blinde Musiker, aber auch Laien, die einfach nur Spaß an guter Musik haben, sind Braillenoten das dringend benötigte Arbeitsmittel, welches durch das DaCapo‑Projekt in Deutschland endlich in größerer Menge und Qualität bereitgestellt werden soll. Schulbücher für den Musikunterricht, die Flöten‑ oder Gitarrenschule für den Einstieg von Jung und Alt in die Welt der Töne und Harmonien, aber vor allem auch sehr individuell gehaltene Übertragungsarbeiten für professionelle Kirchenmusiker gehören dabei zu den neuen Medienangeboten, die in Leipzig entstehen.

Die Teilnehmer der Notennetzwerktagung waren sich einig darüber, dass in den vorgestellten Technologien und Entwicklungen vielen Chancen liegen, die Lebensqualität behinderter Menschen bei Berücksichtigung der jeweiligen Besonderheiten zu verbessern und auf dem Weg zu dem Ziel, Musik für jedermann erfahrbar zu gestalten, einen großen Schritt vorangekommen zu sein.

Dr. Thomas Kahlisch und Matthias Leopold