ZEUNE

Projekt zur zeitnahen Umsetzung von Schulbuchliteratur für Schülerinnen und Schüler, die Gedrucktes nicht lesen können

Autor

Dr. Thomas Kahlisch
Direktor

Deutsche Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB)
Mitglied im Vorstand der Mediengemeinschaft für
Blinde und Sehbehinderte (MEDIBUS)

Gustav-Adolf-Straße 7
04105 Leipzig

Tel.: +49 341/7113-124
Fax: +49 341/7113-125
E-Mail: thomas.kahlisch@dzb.de
Internet: www.dzb.de
www.medibus.info

Datum: Oktober 2005

Motivation

»Das gleiche Buch zur gleichen Zeit und zum gleichen Preis für blinde und sehbehinderte Schülerinnen und Schüler verfügbar?« Das ist in Deutschland ein Traum, von dem niemand laut zu sprechen wagt. In diesem Projekt wird ein Weg zur Realisierung dieses sehr ehrgeizigen Zieles beschrieben.

Dank der Gesetzesinitiative »National Instructive Material Accessibility Standard« (NIMAS) [1] ist es in den USA möglich, dass Schüler, die gedruckte Informationen nicht lesen können, Lernmittel innerhalb von 14 Tagen nach Erscheinen des Buches auf dem regulären Buchmarkt erhalten können. Die föderal gegliederte Bildungslandschaft der Vereinigten Staaten stellt damit sicher, dass blinde Kinder zunehmend umfangreich und zeitnah mit Lehr- und Lernmaterialien ausgestattet werden.

In Deutschland übernehmen die in der Mediengemeinschaft für Blinde und Sehbehinderte (MEDIBUS e. V.) [2] zusammengeschlossenen Blindenbüchereien sowie die an den Schulen existierenden Medienzentren die wichtige Aufgabe, Lernmittel in Blindenschrift, in tastbare Reliefdarstellungen oder in die verschiedenen geeigneten elektronischen Formate zu übertragen. Der 2003 mit dem Verein der Schulbuchverlage (VDS Bildungsmedien e. V.) [3] geschlossene Vertrag zur verbesserten Versorgung mit Schulbuchliteratur hat gezeigt, wie wichtig eine Kooperation mit den Schwarzschriftverlagen ist, um erfolgreich an der Verwirklichung des oben skizzierten Traumes zu arbeiten. Der Arbeitskreis der schulischen Medienzentren, in dem auch die Blindenbüchereien mitwirken, weist gleichzeitig aber darauf hin, dass die Bereitstellung von Buchdaten in unstrukturierten Satzformaten wie QuarkExpress oder PDF nicht ausreicht, um eine adäquate Medienversorgung blinder und sehbehinderter Schülerinnen und Schüler sicherzustellen.

Johan August Zeune gründete 1806 in Berlin die erste Schule in Deutschland, in der blinde Menschen ausgebildet wurden. Dieses Projekt trägt seinen Namen und soll zum 200jährigen Jubiläum dieser Schulgründung einen wichtigen Beitrag dafür leisten, dass blinde Kinder in unserer heutigen Zeit nicht nur gemeinsam mit Sehenden lernen, sondern auch die gleichen umfangreichen und hochwertigen Lernmittel nutzen können.

1. Ausgangssituation

Es ist eine Tatsache, dass die elektronische Verfügbarkeit von Informationen allein nicht ausreicht, diese Jedermann zugänglich zu machen. Bilder und Grafiken können, nur wenn diese in einer textuellen Form beschrieben sind, von blinden Menschen auch am Computer uneingeschränkt genutzt werden. Lehrerinnen und Lehrer der Sonderschulen für Blinde und Sehbehinderte sowie die Pädagogen, die absichern müssen, dass integriert beschulte Kinder Lernmittel in ausreichendem Maße zur Verfügung haben, wissen sehr genau, wie sehr dabei der Teufel im Detail steckt.

Bis vor 20 Jahren war klar, dass Lernmittel für Blinde von Hand in die Blindenschrift zu übertragen sind, um Lesestoff für den Unterricht in der Blindenschule oder für die Blindenbibliothek bereitzustellen. Mit der Entwicklung der OCR-Technik, der synthetischen Sprachausgabe und der Braillezeile änderte sich dies. Dank der modernen Technik können heute Schülerinnen und Schüler, die Seheinschränkungen haben, besser gemeinsam mit sehenden Altersgenossen die Schulbank drücken, später eine Lehre absolvieren oder studieren und sich im Berufsalltag bewähren. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, dass ein tragbarer Computer mit Sprachausgabe und Internetanschluss weniger kostet als eine Punktschriftbogenmaschine, mit der »nur Blindenschrift« geschrieben werden kann. Kostenargumente sind meist nicht hinterfragte KO-Kriterien in Zeiten der »Geiz ist geil«-Gesellschaft und des Umbaus der Sozialsysteme.

Moderne Technik und enormer Kostendruck stellen die Medienversorgung vor völlig neue Herausforderungen. Reichte es früher aus, ein Lehrbuch für ein Unterrichtsfach und eine bestimmte Klassenstufe in Blindenschrift zu übertragen, so erfordert die wohnortnahe integrierte Beschulung im föderalen Bildungssystem heute eine wesentlich flexiblere Aufbereitung von Lehr- und Lernmitteln. Lehrer nutzen verschiedene Schulbücher und beziehen aktuellste Informationen aus dem Internet oder den reichlich vorhandenen Printpublikationen in die Unterrichtsgestaltung ein. Um diesem gestiegenen Bedarf an Lehr- und Lernmitteln gerecht zu werden, gründeten in den 90er Jahren engagierte Pädagogen an Schulen Medienzentren, die dieses erhöhte Übertragungsaufkommen leisten sollten. Da mit dem Scannen und Übersetzen von gedruckten Vorlagen der gestiegene Bedarf in keiner Weise gedeckt werden kann, initiierte die Bundesfachkommission für Lehr- und Lernmittel 2003 die Schließung eines »Vertrages über den erleichterten Zugang zu den Inhalten von Unterrichtswerken zur Bildung und Ausbildung von blinden und hochgradig sehbehinderten Lernenden« zwischen dem hessischen Kultusministerium und dem VdS Bildungsmedien, dem inzwischen die Kultusministerien der anderen Bundesländer beigetreten sind. Der Vertrag regelt, dass Blindenbüchereien und Medienzentren die Datenquellen für zu übertragende Werke von den Schulbuchverlagen über eine zentrale Koordinierungsstelle, das Medienzentrum in Friedberg, auf CD-ROM erhalten. Die dazu am hessischen Bildungsserver verfügbar gemachte Datenbank [4], soll neben dem Zentralkatalog der Punktschriftliteratur [5], welcher für MEDIBUS in der BLISTA Marburg geführt wird, absichern, dass Doppelübertragungen vermieden werden und der Austausch der Übertragungseinrichtungen untereinander effektiv abläuft.

Nach zwei Jahren Praxistest ziehen die umsetzenden Einrichtungen eine verhaltene Bilanz. Die Koordination und der Austausch der übertragenen Werke sind wichtige Fortschritte, die erzielt wurden. Schwierig bleibt jedoch, die Datenquellen der Verlage zeitnah und adäquat für Blinde oder Sehbehinderte aufzubereiten. Dies hat vor allem technische Gründe, die am Anfang dieses Kapitels angedeutet wurden und nachfolgend noch detaillierter ausgeführt werden.

2. Probleme bei der Umsetzung von Schulbuchliteratur

Schulbücher sehen heute anders aus als in der Zeit, als noch von Hand in die Blindenschrift übertragen wurde. Die Vielfalt visueller Aufbereitung ist dank moderner DTP-Systeme riesig. So sind Schulbücher nicht nur bunt, sondern in aufwendigster Art und Weise für das Auge aufbereitet. Lückentexte, Tabellen, Text der auf dem Kopf steht oder schräg angeordnet ist, farbige Unterlegungen, Bilder, Illustrationen, Marginalien, die Liste ließe sich fortsetzen. Dabei zum Einsatz kommende professionelle Satzsysteme wie QuarkExpress oder InDesign haben keine Probleme damit, diese visuelle Vielfalt nach Gusto der Autoren bzw. entsprechend der Verlagsvorgaben umzusetzen.

Was visuell aufwendig und ansehnlich gestaltet daher kommt, wird zum Buchstabensalat, wenn die Textinhalte aus den Vorlagen extrahiert werden. Bei der Konvertierung dieser Dateien in Formate wie RTF oder HTML erfüllt das Ergebnis in aller Regel nicht die Erwartungen der Nutzer. Eine textuelle Form, insbesondere eine strukturierte Auszeichnung der Daten, ist aber unbedingt erforderlich, wenn die Informationen einfach und zeitnah für Blinde und Sehbehinderte umzusetzen sind.

Das häufig verwendete Datenformat PDF fungiert technisch gesehen als Containerdatei, in die der Anwender alles stecken kann, was hinterher in ansehnlicher Form auf seinem Bildschirm angezeigt oder am Drucker ausgegeben werden soll. Das Format erlaubt es, Informationen als Grafiken abzuspeichern, die gänzlich ohne Dokumentstrukturinformationen auskommen [6]. Bei der Konvertierung eines solchen Werkes in ein Textformat bleibt häufig nur ein großes Durcheinander von Zeichenketten, das letztlich nur zeitaufwendig manuell wieder in eine nachvollziehbare Reihenfolge und Anordnung gebracht werden kann.

Seit der Version 5 der Adobe Acrobat Software bietet PDF die Möglichkeit, Strukturen durch sogenannte Tags in das Dokument zu integrieren. Diese Tags markieren, ähnlich einer Auszeichnung von verschiedenen Produkten in einem Supermarkt, Beginn und Ende der Bestandteile des auf diese Weise strukturierten Dokumentes. Screenreader und Konvertierungsprogramme können diese Tags auslesen und entsprechend der damit aufgezeichneten Struktur des Dokumentes die Daten in Formate wie HTML oder RTF übersetzen. Bislang kommt diese neue Strukturierungstechnik jedoch noch nicht bei allen Verlagen und anderen Informationsanbietern zum Einsatz. Nachfolgend werden Wege aufgezeigt, moderne Verfahren der Übertragung von Schulbuchliteratur in blinden- und sehbehindertengerechte Formen zu entwickeln, die diese Strukturierungstechniken nutzen.

3. NIMAS Gesetzesinitiative in den USA

Mit der Gesetzesinitiative NIMAS leistet die föderale Bildungslandschaft der USA Pionierarbeit bei der Verbesserung des Informationszugangs blinder und sehbehinderter Schülerinnen und Schüler. Das auf einen längeren Zeitraum ausgerichtete Projekt ist schnell beschrieben. Die amerikanische Verlegervereinigung American Association of Publishers (AAP) und die Blindenbüchereien der USA haben eine gesetzlich verbindliche Vereinbarung geschlossen, die sicherstellt, dass Lehr- und Lernmittel von den Verlagen in einem festgelegten XML-Datenformat an die umsetzenden Einrichtungen abgegeben werden. Dieses NIMAS-Format basiert auf einem amerikanischen Standard, NISO Z 3986, der auch als DAISY V.3 in den Blindenbüchereien der Welt breite Anwendung findet [7]. Schulmaterialien, die im NIMAS-Format verfügbar sind, können mittels eines speziellen Leseprogramms am PC angezeigt oder durch Konvertierungssoftware in blindengerechte Darstellungen wie Punktschrift übersetzt werden. Das NIMAS-Format ist in seiner ersten Fassung vor allem für die Umsetzung geisteswissenschaftlicher Inhalte geeignet. Derzeit beinhaltet das Format leider noch keine Möglichkeiten mathematische Inhalte zu beschreiben, dies ist jedoch Gegenstand weiterer Entwicklungsprojekte, die in diesem Bereich initiiert wurden. Trotz dieser noch vorhandenen Einschränkungen führte die Nutzung des Formates und vor allem die enge Kooperation mit den Verlagen bereits zu entscheidenden Verbesserungen bei der Bereitstellung von Schulmaterialien. Klares Ziel ist es, blinden Schülern 14 Tage nach Erscheinen eines Schulbuches eine zugängliche Version zur Verfügung zu stellen.

4. Zielvereinbarung zur zeitnahen Umsetzung von Schulbuchliteratur

Unter Ausnutzung der im Behindertengleichstellungsgesetz § 5 verankerten rechtlichen Möglichkeiten zum Abschluss von Zielvereinbarungen ist das hier aufgezeigte »ZEUNE - Projekt zur zeitnahen Umsetzung von Schulbuchliteratur für Schülerinnen und Schüler, die Gedrucktes nicht lesen können« geeignet, zu einer Vereinbarung der deutschen Blinden- und Sehbehinderten-Verbände mit dem entsprechenden Verlegerverband zu kommen, die einen wie in den USA aufgezeigten Lösungsweg ermöglicht.

Laut Behindertengleichstellungsgesetz gehört zu einer Zielvereinbarung die Festlegung der Verhandlungspartner, der Mindestbedingungen, die erreicht werden sollen, und ein Zeitplan, den sich die Beteiligten zur Umsetzung geben.

Aus Sicht der Betroffenen bieten sich als Verhandlungsführer der Deutsche Blinden- und Sehbehinderten-Verband (DBSV) an. Dieser hat bereits die Prüfung einer entsprechenden Zielvereinbarungsverhandlung beantragt. MEDIBUS, der Verband der Blinden- und Sehbehindertenpädagogen (VBS), der Arbeitskreis der Medienzentren und die Bundesfachkommission für Lehr- und Lernmittel blinder Schülerinnen und Schüler, sind zusätzliche Partner, die den Bereich der Betroffeneninteressen abdecken. Der Industrieverband, mit dem eine Zielvereinbarung abgeschlossen werden muss, ist die Verlegerdachorganisation der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, in dem auch der VdS Bildungsmedien organisiert ist. Ergänzende Teilvereinbarungen wie z. B. mit dem Verband der Musikverlage sind darüber hinaus vorstellbar und würden helfen, wichtige Arbeitsmittel für blinde Musiker schneller in Braillenotenschrift verfügbar zu machen.

Mindestbedingung der Zielvereinbarung muss es sein, dass Verlage zukünftig Schulbuchinhalte in strukturierter Form an professionelle Übertragungseinrichtungen abgeben. Hierbei ist es nicht notwendig, das Rad neu zu erfinden. Das in der NIMAS-Initiative entwickelte Format bildet einen geeigneten Ausgangspunkt [8].

Das Aushandeln einer Zielvereinbarung allein wird jedoch nicht ausreichen, um zu nennenswerten Verbesserungen bei der Lernmittelversorgung zu kommen. Liegt die Bereitschaft der Verlage vor, Satzdaten in strukturierter Form an professionelle Umsetzungseinrichtungen abzugeben, so müssen diese Datensätze, um Mehrfachübertragungen zu vermeiden, katalogisiert und mittels geeigneter Software in die Blinden- und Sehbehindertenmedien übertragen werden. Bei dieser Übertragung sind verschiedene Varianten vorstellbar.

Liefert der Verlag ein Tagged-PDF-Dokument, so ist die Datei ohne weitere Verarbeitungsprozesse unmittelbar im Unterricht einsetzbar oder kann von den Schülern sofort mittels Screenreader oder Großschriftsystem am PC gelesen werden. Liefert der Verlag Daten, die in dem auszuhandelnden XML-Format vorliegen, so kann der Inhalt in einem speziell für diese Daten entwickelten Leseprogramm angezeigt werden oder in Blindenschrift bzw. Großdruck übertragen werden. Liefert der Verlag ein unstrukturiertes Dokument, kann durch den Einsatz zu entwickelnder professioneller Transponierungs- und Konvertierungswerkzeuge die Aufbereitung dieser Satzdaten entscheidend verbessert werden. Im letzten Abschnitt dieses Artikels wird ein Projekt skizziert, das diesen notwendigen Entwicklungen Rechnung trägt und welches ergänzend zu den Zielvereinbarungsverhandlungen umgesetzt werden muss.

5. Das Projekt ZEUNE

Um zu entscheidenden Verbesserungen bei der Lehr- und Lernmittelversorgung zu kommen und die vorhandenen technologischen Herausforderungen zu meistern, sind Entwicklungen in drei Feldern zu leisten:

  1. Archivierung und Katalogisierung von Satzdaten und der übertragenen Lernmittel
  2. Entwicklung von Transponierungswerkzeugen
  3. Distribution übertragener Lernmittel

Die Archivierung und Katalogisierung muss unbedingt zentral erfolgen. Hierbei ist sicherzustellen, dass die Vielfalt der umzusetzenden Werke, ihre Ausführlichkeit, Art und Form der Ausgangsdaten, die verschiedenen Übertragungsformen und Ergänzungsmaterialien in geeigneter Form aufgezeichnet, recherchierbar und nachweisbar gemacht werden. Zur Umsetzung dieses komplexen Aufgabenfeldes empfiehlt sich der Einsatz entsprechend qualifizierten Bibliotheks- oder Verlagspersonals. Das Archiv und die dazu zu entwickelnden Katalogfunktionalitäten sind via Internet für Verlage, Blindenbüchereien, Medienzentren aber auch die Nutzer in entsprechender Weise auszugestalten.

Die große Chance der Nutzung eines von den Schulbuchverlagen verwendeten einheitlichen Strukturierungsformates liegt in der Tatsache, dass sich basierend auf diesem gemeinsam zu erarbeitenden Standard verschiedenste Werkzeuge entwickeln lassen, die eine Übertragung von Schulbüchern in alle erforderlichen Formate ermöglichen. Im Sinne eines Netzwerkes können viele Anbieter ihre Produkte und deren Weiterentwicklung auf den neuen Standard anpassen und somit flexibel und zeitnah Angebote machen. Als Kernelemente des ZEUNE-Projektes sind für die Übertragung der Satzdaten die folgenden Entwicklungen anzusehen:

Übertragungsprogramme wie HBS, RTFC oder Winbraille können durch die Anbieter entsprechend angepasst und erweitert werden, die vorstrukturierten Daten zu verarbeiten. Insgesamt muss das Ziel der angestrebten IT-Verfahrensentwicklung sein, das sprichwörtliche Rad nicht neu zu erfinden, sondern wo immer möglich, auf bereits verfügbare Lösungen zurückzugreifen und weitestgehend herstellerunabhängige standardisierte Software und Schnittstellen zu verwenden.

Mit der Verfügbarkeit unterschiedlicher Anzeige-, Übertragungs- und Verarbeitungsprogramme können Schüler und Lehrer selbst entscheiden, wie ein zu nutzendes Buch oder ein Abschnitt des Lernmittels eingesetzt werden soll. Dabei kann ausgewählt werden ob:

6. Schlussbemerkung

Die vorgeschlagene Zielvereinbarung und das eng damit verbundene Projekt ZEUNE beschreiben einen Ansatz, geeignete und dringend benötigte Verfahren der Lehr- und Lernmittelaufbereitung im föderalen Bildungssystem der Bundesrepublik Deutschland zu erarbeiten. Sowohl die Aushandlung der Vereinbarung als auch die Realisierung des skizzierten Projektes haben Prozesscharakter. Dies bedeutet, dass viele kleine Schritte erforderlich sein werden, dem am Anfang des Artikels vorgestellten Traum Realität zu verschaffen. Der strikte Einsatz moderner IT-Verfahren, die auf offenen, herstellerunabhängigen und international anerkannten Standards beruhen, bilden einen entscheidenden Ausgangspunkt für die erfolgreiche Umsetzung. XML-basierte Konzepte zur Verbesserung des Zugangs zu Informationen für Menschen, die Gedrucktes nicht lesen können, sind weltweit in Entwicklung. Da die Lösung der Probleme nicht allein im technischen Bereich liegt, sondern auch einer breiten politischen Arbeit bedarf, ist es wichtig, sich bei der Umsetzung dieser Vorhaben einer möglichst breiten Unterstützung zu versichern. International gehen Interessenverbände blinder und sehbehinderter Menschen längst Hand in Hand mit Organisationen, die sich für Legastheniker oder motorisch eingeschränkte Personen engagieren. Es ist nicht nur für Menschen, die gedruckte Publikationen nicht lesen können wichtig, wenn Internetseiten und Automaten für jedermann zugänglich sind, Haushaltstechnik ohne Fachchinesisch bedient werden kann und sichergestellt wird, dass alle Bürgerinnen und Bürger gleichberechtigt beim Zugang zu Informationen sind. Die UNO spricht dabei vom fundamentalen Menschenrecht auf Information.

Bibliographie

[1] National Instructive Material Accessibility Standard (NIMAS)
http://nimas.cast.org/
[2] Mediengemeinschaft für Blinde und Sehbehinderte e. v. (MEDIBUS)
http://www.medibus.info/
[3] Verein der Schulbuchverlage e. v. (VdS Bildungsmedien)
http://www.vds-bildungsmedien.de/
[4] Hessischer Bildungsserver, Blind-Sehbehindert
http://sonderpaedagogik.bildung.hessen.de/blind_sehbehindert/
[5] Zentralkatalog Punktschrift
http://www.blista.de/dbb/zkpunkt.htm
[6] Hellbusch, Jan Eric: Gestaltung barrierefreier PDF Dokumente.
Im Sonderheft der Zeitschrift: »Information Wissenschaft und Praxis«
der Deutschen Gesellschaft für Informationswissenschaft und -praxis.
Dezember 2005.
[7] ANSI/NISO Standrard Z3986. Specifications for the Digital Talking Book
http://www.daisy.org/z3986/2005/
[8] NIMAS Report
http://nimas.cast.org/downloads/nimas.doc

Über den Autor

Thomas Kahlisch ist Direktor der Deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB). Er ist Mitglied des Vorstandes MEDIBUS und DAISY-Beauftragter des DBSV.
1998 promovierte der blinde Diplominformatiker auf dem Gebiet der Mensch-Computer-Interaktion. Er verfasste bereits zahlreiche Publikationen im Themenfeld verbesserte Informationsversorgung blinder und sehbehinderter Menschen.

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